Montag - 09.02.2026
Werbung

Wie die Forschung gegen langlebige Fungizid-Rückstände antritt

Hoffnung durch Mikroorganismen

TitelbildLara Langner

Extreme Wetterereignisse nehmen zu und mit ihnen die Bedrohung durch Pilzkrankheiten auf unseren Äckern. Die landwirtschaftliche Antwort darauf ist oft dieselbe: Fungizide. Insbesondere der Wirkstoff Azoxystrobin wird in großem Stil eingesetzt, um Pilze zu bekämpfen. Doch die Chemie hat ihren Preis: Azoxystrobin ist nicht nur besonders langlebig, mit einer Halbwertszeit von bis zu 300 Tagen, sondern steht auch im Verdacht, Umwelt, Biodiversität und sogar die menschliche Gesundheit zu schädigen. So finden sich mittlerweile in Lebensmitteln, im Wasser und Böden Rückstände.

Fungizid abbauende Bakterien: von der Isolierung zur Produktentwicklung multikraft Forschung Dr. Katharina Kraxberger
Dr. Katharina Kraxberger, Leiterin Forschung & Entwicklung Multikraft

Die Wissenschaft schlägt Alarm. „Wenn wir weitermachen wie bisher, ist der Großteil unserer Böden in zirka zehn Jahren unbenutzbar“, warnt Mikrobiologin Katharina Kraxberger, Leiterin der Forschung & Entwicklung beim Biotechnologieunternehmen Multikraft. Laut AGES ist der Pestizideinsatz seit 1990 weltweit um das Doppelte gestiegen, während die Lösung zum Abbau der Rückstände bislang fehlte.

Werbung

Die Mikrobe als Hoffnungsträgerin

Doch es tut sich etwas im Boden. Kraxberger hat im Rahmen ihrer Dissertation an der BOKU Wien, gemeinsam mit dem AIT und unterstützt von der FFG, Mikroorganismen erforscht, die Azoxystrobin abbauen können. Ihre Arbeit mit dem Titel „Fungicide-degrading bacteria: From isolation to product development“ bringt einen biobasierten Lösungsansatz ins Spiel.

„Ich habe mich einem Problem gewidmet, das den meisten gar nicht bewusst ist“, erklärt Kraxberger. „Die Wirkstoffe, die heute in unserer Umwelt schlummern, sind oft jene, die vor Jahrzehnten ausgebracht wurden.“ Dass sie dabei auch menschliche Zellen angreifen können, werde „kaum beachtet“.

Von der Blattanalyse zum Laborerfolg

Kraxberger identifizierte geeignete Bakterienstämme auf Blättern, in der Rhizosphäre und sogar in bestehenden Multikraft-Produkten. Und sie wurde fündig: Die effizientesten Stämme zeigten eine Abbauleistung von bis zu 71 Prozent. Gleichzeitig fördern manche von ihnen auch das Pflanzenwachstum. Angela Sessitsch vom AIT betont die Bedeutung dieser Forschung: „Solche Erkenntnisse sind entscheidend für eine künftig nachhaltigere und umweltfreundlichere Landwirtschaft.“ Die Verbindung aus Grundlagenforschung und industrieller Anwendung sei hier vorbildlich gelungen.

Die Natur weiß mehr

Fungizid abbauende Bakterien: von der Isolierung zur Produktentwicklung multikraft Forschung Dr. Katharina Kraxberger
Mikrobiologische Lösungen können sogar bereits unfruchtbare Böden wieder aufbauen.

„Hier helfen weder Pestizide noch Dünger, da braucht es einfach Biologie“, bringt Multikraft-Geschäftsführer Lukas Hader die Sache auf den Punkt. Die biologischen Prozesse, die Kraxberger erforscht hat, könnten laut ihm sogar „bereits aufgegebene Flächen wieder aufbauen“. Die Entdeckung mikrobieller Helfer bedeutet nicht nur, Fungizide zu zersetzen, sondern eine umfassendere, regenerative Landwirtschaft denkbar zu machen. Denn biologische Systeme hängen zusammen: „Wenn weniger Schadstoffe im Boden sind, ist auch das Futter für die Tiere hochwertiger“, sagt Hader. Und damit steigt am Ende auch die Lebensmittelsicherheit.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse mahnt Kraxberger zur Vorsicht: „Wir stehen erst am Anfang.“ Die Forschung müsse nun über das Labor hinausgehen, hin zur Produktentwicklung und vor allem zu einem neuen Verständnis in der Landwirtschaft. „Das Allheilmittel ist nicht, pestizid-abbauende Produkte zu entwickeln und weiterzumachen wie bisher, sondern die Landwirtschaft so zu gestalten, dass wir Pestizide in den aktuellen Mengen gar nicht mehr brauchen, sondern nur gezielt anwenden müssen.“

www.multikraft.com

Werbung
Werbung

Print

Netzwerk

Im Trend

Aktuell

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.