Werbung

Weinjahr 2026: Trockenheit stellt Winzer vor neue Herausforderungen

Trockenheit, frühe Lese und kleinere Erträge prägen den Weinjahrgang 2026. Winzer in mehreren österreichischen Weinbaugebieten reagieren mit Ertragsreduktion, angepasstem Rebschnitt, Begrünung und neuen Ansätzen beim Wassermanagement.

Text:KI

Das Weinjahr 2026 stellt Österreichs Winzer vor besondere Herausforderungen. In einigen Weinbaugebieten hat die Lese bereits Mitte August begonnen und damit deutlich früher als in vielen durchschnittlichen Jahren. Hohe Temperaturen, wenig Niederschlag und Trockenstress wirken sich auf Reben und Trauben aus. Gleichzeitig geht die Erntemenge voraussichtlich zurück.

Besonders entscheidend ist in diesem Jahr der richtige Lesezeitpunkt. Denn hohe Temperaturen beschleunigen die Zuckerbildung und den Säureabbau, während Aroma- und physiologische Reife nicht immer im gleichen Tempo voranschreiten. Für die Betriebe wird es damit schwieriger, den optimalen Zeitpunkt für die Ernte zu bestimmen.

Werbung

Trockenheit verlangt Anpassungen

In Carnuntum, einem ohnehin trockenen Weinbaugebiet, sind die Auswirkungen besonders spürbar. Anna van der Niepoort vom Weingut Dorli Muhr berichtet von einer ungewöhnlich frühen Lese und zusätzlichen organisatorischen Herausforderungen, weil viele Erntehelfer zu diesem Zeitpunkt noch im Urlaub sind.

Auch in der Wachau ist die Wasserversorgung vielerorts angespannt. Für Winzer Simon Gattinger aus Unterloiben steht deshalb die Balance zwischen Frische, Säurestruktur und Herkunftstypizität im Mittelpunkt.

Die Trockenheit beeinflusst auch die Erntemenge. Die Beeren sind vielerorts kleiner und dickschaliger. Zusätzlich haben Betriebe teilweise gezielt Erträge reduziert, um die Rebstöcke während der Trockenperioden zu entlasten.

Neue Ansätze im Weingarten

Winzer Chris Sciacca aus Krems setzt neben Ertragsreduktion und Begrünung unter anderem auf Schafwolle zur Wasserspeicherung im Weingarten. Nach seinen Angaben fehlen in Krems derzeit rund 63 Millimeter Niederschlag gegenüber durchschnittlichen Jahren. Die Wolle soll Wasser aufnehmen und langsam wieder an den Boden abgeben.

Auch Unterstockmanagement wird zunehmend als Anpassungsmaßnahme untersucht. Am IMC Krems beschäftigen sich Studierende unter anderem mit Unterstockbegrünung als möglicher Strategie gegen Dürre, Erosion und Spätfrost. In sechs Bachelorarbeiten wird zudem untersucht, wie sich steigende Alkoholgehalte auf die Weinproduktion auswirken und welche Möglichkeiten Betriebe haben, darauf zu reagieren.

Im Kamptal setzt das Weingut Hirsch unter anderem auf kürzere Laubwände und einen späteren Schnitt bei bestimmten Anlagen, um den Lesezeitpunkt nach hinten zu verschieben. Bei jungen Weingärten wurden teilweise Trauben entfernt, um die Rebstöcke zu schonen. Im östlichen Weinviertel wurden ebenfalls Erträge in jungen Anlagen stark reduziert, Jungpflanzen teilweise von Hand bewässert.

Wassermanagement wird wichtiger

Die Frage der Bewässerung wird angesichts zunehmender Trockenperioden immer relevanter. Andreas Schachenhuber vom Weingut WeinSchach sieht eine dauerhafte Bewässerung mit Grundwasser allerdings kritisch. Aus seiner Sicht müsse Wasser künftig stärker über das gesamte Jahr in der Landschaft gehalten werden, anstatt es möglichst rasch abzuleiten.

Damit rückt das Wassermanagement über den einzelnen Weingarten hinaus in den Mittelpunkt. Die Herausforderung besteht zunehmend darin, vorhandene Niederschläge effizient zu speichern und für trockene Phasen verfügbar zu machen.

Nicht jeder heiße Jahrgang muss schwierig sein

Ein Blick nach Nordmazedonien zeigt, dass Hitze nicht automatisch einen schlechten Jahrgang bedeutet. Bojan Ristov vom Weingut Lazar erwartet trotz der inzwischen hohen Temperaturen außergewöhnliche Weine. Entscheidend seien die Reaktion der Reben sowie ein präziser Lesezeitpunkt und eine entsprechende Weinbereitung.

Im Weinbaugebiet Tikveš wird ein früherer Lesestart bereits als Möglichkeit genutzt, um Frische und Säure zu bewahren. Das passt auch zu veränderten Konsumgewohnheiten: Die Nachfrage nach frischen, eleganten und ausgewogenen Weißweinen nimmt laut Ristov zu.

Für die österreichischen Betriebe bleibt damit vor allem eines entscheidend: Erfahrung mit den jeweiligen Standorten, genaue Beobachtung der Reben und ein möglichst flexibler Umgang mit den veränderten Bedingungen. Das Weinjahr 2026 zeigt, dass Anpassungsmaßnahmen längst nicht mehr nur theoretische Zukunftsszenarien sind, sondern bereits im laufenden Weinbaujahr umgesetzt werden.

Werbung
Werbung

Print

Netzwerk

Im Trend

Aktuell