Die Weinlese hat heuer deutlich früher begonnen als in vielen durchschnittlichen Jahren. Früher Austrieb, eine zeitige Rebblüte und hohe Temperaturen während des Sommers haben die Reifeentwicklung stark beschleunigt. In einzelnen Regionen, etwa im Seewinkel, nähert sich die Lese bereits dem Ende. In Niederösterreich, der Steiermark und Wien ist die Hauptlese Anfang September angelaufen.
Rund 30 Prozent weniger als im Vorjahr
Mengenmäßig wird 2026 ein schwacher Jahrgang. Nach aktuellen Rückmeldungen aus den Weinbaugebieten wird eine Ernte von rund 1,7 Millionen Hektolitern erwartet. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Hauptgrund ist die extreme Trockenheit. Viele Beeren sind klein geblieben, entsprechend geringer fällt auch die Mostausbeute aus. Gleichzeitig war der Krankheitsdruck niedrig, wodurch vielerorts gesundes Traubenmaterial eingebracht werden kann.
„2026 ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Weinjahr – mit früher Reife, kleinen Beerendurchmessern und geringen Erntemengen“, erklärt Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager. Gleichzeitig erwarte man einen ausdrucksstarken und aromatischen Jahrgang.
Kleine Beeren, hohe Konzentration
Die kleinen Beerendurchmesser wirken sich zwar negativ auf die Menge aus, können sich qualitativ aber als Vorteil erweisen. Weniger Saft bedeutet gleichzeitig eine höhere Konzentration wertgebender Inhaltsstoffe.
Besonders bei Rotweintrauben sieht Schmuckenschlager gute Voraussetzungen. Kleinbeerige, tiefdunkle und konzentrierte Trauben könnten dichte und vollreife Weine hervorbringen. Entscheidend bleibt allerdings der richtige Lesezeitpunkt, um ein ausgewogenes Verhältnis von Zucker und Säure zu erhalten.
Junganlagen besonders unter Druck
Der Witterungsverlauf hat die Reben über den Sommer stark belastet. Nach einigen Niederschlägen im Winter folgten ab Ende April bereits nahezu sommerliche Temperaturen. Mitte Juni setzte eine erste starke Hitzewelle ein, während ergiebige Niederschläge vielerorts ausblieben.
Besonders betroffen war der Osten Österreichs. Temperaturen über 30 Grad waren über weite Strecken des Sommers üblich. Zwar kommen Weinreben als tiefwurzelnde Dauerkultur grundsätzlich besser mit Trockenheit zurecht als viele andere Kulturen, 2026 stießen aber auch sie vielerorts an ihre Grenzen.
Vor allem Junganlagen litten unter der fehlenden Wasserversorgung. Teilweise wurden dort Trauben entfernt, um die jungen Rebstöcke zu entlasten. Wie stark einzelne Weingärten betroffen sind, hängt wesentlich von Bodenbeschaffenheit, Wasserspeicherfähigkeit und Bewirtschaftung ab.
Auch der Markt bleibt herausfordernd
Neben der schwierigen Witterung belastet auch die Marktsituation viele Betriebe. Rückläufiger Weinkonsum und hoher Preisdruck wirken sich auf die gesamte Branche aus.
Aus Sicht der Branche liegt eine Chance weiterhin in der Positionierung österreichischer Weine über Qualität, handwerkliche Produktion und Herkunft. In einem schrumpfenden Markt sollen vor allem Export, Wertschöpfung und die Anpassung an veränderte Konsumgewohnheiten an Bedeutung gewinnen.
Für die Winzer bedeutet der Jahrgang 2026 damit eine schwierige Kombination: weniger Menge, hohe Anforderungen an den optimalen Lesezeitpunkt und zusätzlichen wirtschaftlichen Druck. Qualitativ gibt es dennoch Anlass zu Optimismus.
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