Um Streuobstwiesen als wertvolle heimische Biodiversitätshotspots zu bewahren, setzen der Naturschutzbund Burgenland, Oberösterreich und Steiermark auf gezielten Artenschutz. Von der seltenen Zwergohreule bis zum Ilzer Rosenapfel. Wie man mit extensiver Bewirtschaftung lebendige Vielfalt retten kann, erfährt man zum Tag der Streuobstwiese am 24. April.
Artenvielfalt und ökologischer Nutzen von Streuobstwiesen
Auf Streuobstwiesen – einer traditionellen Form der Landwirtschaft – wachsen locker verstreut verschiedene, meist besonders alte und hochstämmige Obstbäume. Der Landschaftstypus Streuobstwiese eignet sich hervorragend für den Obstanbau, jedoch ebenso für die Grünlandnutzung. Er wird gerne als Heuwiese und auch als Weide für Tiere – vor allem Schafe oder Ziegen – genutzt und extensiv bewirtschaftet. In der Regel bilden der Verzicht auf Pestizide und intensive Plantagenbewirtschaftung sowie die Durchführung einer späten Mahd das Fundament für diesen Artenreichtum.
Die Streuobstwiese zählt zu den artenreichsten Wiesentypen, die in der extensiven Landwirtschaft zu finden sind. Sie dient – nicht zuletzt aufgrund ihres alten Obstbaumbestands – als vielseitiger Lebensraum für eine unglaubliche Menge an Arten. Bestäuber besuchen Obstblüten und diverse Blumen, Käfer nutzen die Mulmhöhlen alter Bäume, frische Krautpflanzen dienen diversen Schmetterlingsarten als Nahrung und die Insektenvielfalt wiederum steht ganz oben auf dem Speiseplan zahlreicher Vogelarten – darunter Steinkauz und Wendehals. So sind Streuobstwiesen wahre Biodiversitätshotspots, die neben der Natur auch für den Menschen von großem Nutzen sind – aufgrund der oft vielfältigen alten Obstsorten, die genutzt werden können, sowie der Gewinnung von Heu bzw. Tierprodukten aus der Weidenutzung. Ebenso sind die meist blumen- und bienenreichen Wiesen für die Honiggewinnung von Bedeutung.
Gezielter Artenschutz in den Bundesländern
- Naturschutzbund Burgenland pflegt im Rahmen seines Biotopschutzprogramms und mit ÖPUL acht Streuobstwiesen beziehungsweise Magerwiesen. Er setzt sich für die bunte Artenvielfalt vor Ort ein, beispielsweise für Tagfalter wie Segelfalter, Weißer Waldportier, Blaukernauge, Feuriger Perlmutterfalter und Flockenblumen-Scheckenfalter.
- Naturschutzbund Oberösterreich betreut seit 2019 annähernd 100 Spezialnisthilfen für den seltenen Wiedehopf. Auch für die Zwergohreule und den Wendehals wurden künstliche Nisthilfen montiert. Ziel ist es, Besitzer von Streuobstgärten für die Wichtigkeit dieser Lebensräume zu sensibilisieren und zum Schutz der bedrohten Brutvögel zu motivieren.
- Robuste Apfelrarität auf Fläche des Naturschutzbundes Steiermark: Der Naturschutzbund Steiermark ist stolz auf seine beinahe 1.000 Eigenflächen, die er naturnah bewirtschaftet. Ein aktuelles Beispiel ist eine durch Spendengelder neu erworbene Streuobstwiese in St. Marein bei Graz, die sich durch das Vorkommen des Ilzer Rosenapfels, einer speziellen steirisch-endemischen Apfelsorte, auszeichnet.
Wiedehopf: Ein Beispiel für erfolgreichen Artenschutz
In den vergangenen Jahren konnten vermehrt einzelne Wiedehopfe als Durchzügler in Oberösterreich beobachtet werden. Sie lassen sich zur Rast auf mageren, lückigen Wiesen und kurzrasigen Viehweiden nieder. Wichtig ist ein lockerer Baumbestand, häufig sind es alte Streuobstwiesen und kleine Feldgehölze, die neben Deckung ein hohes Angebot an Fäulnis- und Spechthöhlen als Brutplatz bieten. Dauerhaft kurzrasige Flächen mit schütterer Vegetation und lockerem Bodensubstrat sind für die Nahrungssuche nach Insekten wesentlich.
Mit der Sicherung des wertvollen Lebensraums Streuobstwiese schafft der Naturschutzbund ein lebendiges Kulturerbe und unverzichtbare Refugien für seltene Arten.





