Werbung

Psychische Belastung auf Österreichs Höfen deutlich höher

Österreichische Landwirte berichten deutlich häufiger über Stress, Angstzustände, depressive Symptome und Schlafprobleme als die Allgemeinbevölkerung. Das zeigt eine aktuelle Studie mit mehr als 2.000 Bäuerinnen und Bauern. Besonders belastend sind Bürokratie, Agrarpolitik, Preisschwankungen und hoher Arbeitsdruck.

Die psychische Belastung in der österreichischen Landwirtschaft ist erheblich. Eine aktuelle Untersuchung der Universität für Weiterbildung Krems zeigt, dass Landwirte bei mehreren psychischen Belastungsindikatoren deutlich höhere Werte aufweisen als die Allgemeinbevölkerung.

Für die Studie wurden 2.006 österreichische Landwirte zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 befragt. Als Vergleich diente eine repräsentative Gruppe von 2.007 Erwachsenen aus der österreichischen Allgemeinbevölkerung.

Werbung

Stress betrifft zwei Drittel

Besonders deutlich ist der Unterschied beim wahrgenommenen Stress. 66,9 Prozent der befragten Landwirte wiesen erhöhte Stresswerte auf. In der Allgemeinbevölkerung waren es 51 Prozent.

Auch bei weiteren Bereichen zeigen sich klare Unterschiede: 31,1 Prozent der Landwirte berichteten über relevante Angstsymptome, gegenüber 14,6 Prozent in der Allgemeinbevölkerung. Bei depressiven Symptomen lagen die Werte bei 28 Prozent gegenüber 21,4 Prozent, bei Schlafproblemen bei 15,3 gegenüber 9 Prozent.

Die statistische Auswertung bestätigt laut Studienautoren ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen innerhalb der Landwirtschaft. Eine Ausnahme bildet problematischer Alkoholkonsum, der in der untersuchten Gruppe niedriger lag als in der Vergleichsbevölkerung.

Bürokratie wird als größte Belastung empfunden

Eine weitere Untersuchung derselben Forschungsgruppe ging der Frage nach, welche Faktoren Landwirte im Berufsalltag besonders belasten. Dabei wurden Bürokratie und Dokumentationspflichten am stärksten bewertet. Dahinter folgen Agrarpolitik, Preisschwankungen sowie hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck.

Bemerkenswert ist allerdings, dass nicht unbedingt jene Faktoren mit der höchsten subjektiven Belastung auch die stärksten Auswirkungen auf die psychische Gesundheit zeigen.

Besonders eng mit schlechteren psychischen Gesundheitswerten verbunden waren laut Studie finanzielle Sorgen, hohe Arbeitsbelastung und soziale Isolation.

Jüngere Landwirte stärker unter Druck

Auch Alter und Geschlecht spielen eine Rolle. Jüngere Betriebsführer berichteten häufiger von finanziellen Sorgen, hoher Arbeitsbelastung und Konflikten zwischen den Generationen.

Bei Männern wurden unter anderem Agrarpolitik, öffentlicher Druck und Kritik aus dem Bereich Tierwohl stärker als Belastung wahrgenommen. Frauen berichteten häufiger über Belastungen durch körperliche Arbeit, Betreuung von Angehörigen und Generationenkonflikte.

Landwirtschaft ist mehr als ein Beruf

Die Forscher weisen darauf hin, dass Arbeit und Privatleben auf landwirtschaftlichen Familienbetrieben besonders eng miteinander verbunden sind. Wirtschaftliche Schwierigkeiten betreffen deshalb häufig nicht nur den Arbeitsplatz, sondern gleichzeitig Familie, Eigentum und die Zukunft des Hofes.

Dazu kommen Faktoren wie Wetterabhängigkeit, Klimawandel, Marktpreisschwankungen, steigende Anforderungen und die oftmals schwierige Hofnachfolge. Gerade in abgelegenen Regionen können zudem soziale Isolation und ein eingeschränkter Zugang zu Unterstützungsangeboten eine Rolle spielen.

Die Studienautoren sprechen sich daher für gezielte Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen aus. Neben einer Reduktion struktureller Belastungen seien insbesondere Angebote notwendig, die psychosoziale Ressourcen stärken und für landwirtschaftliche Betriebe leicht zugänglich sind.

KI korigiert

Werbung
Werbung

Print

Netzwerk

Im Trend

Aktuell