Nachhaltigkeit wird für landwirtschaftliche Betriebe mit Direktvermarktung oder Gästebetrieb zunehmend zu einer praktischen Frage. Neue europäische Vorgaben setzen verstärkt darauf, Produkte länger zu nutzen, Verpackungsabfälle zu reduzieren und Mehrweg- beziehungsweise Nachfüllsysteme zu fördern.
Gerade für Hofläden, Buschenschanken, Urlaub-am-Bauernhof-Betriebe, bäuerliche Gastronomie und Direktvermarkter lohnt sich deshalb ein Blick darauf, wo heute noch unnötige Einwegverpackungen entstehen und welche Ausstattung möglichst lange im Betrieb gehalten werden kann.
Weniger Verpackung wird zum Thema
Mit der neuen europäischen Verpackungsverordnung, der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), soll die Menge an Verpackungsabfällen deutlich sinken.
Die Vorgaben werden schrittweise umgesetzt. Langfristig sollen Verpackungen besser recyclingfähig werden, unnötige Verpackungen verschwinden und Mehrweg- und Nachfüllsysteme stärker eingesetzt werden.
Für Direktvermarkter betrifft das beispielsweise Verpackungen von Lebensmitteln, Take-away-Angeboten, Verkostungen oder kleinen Portionsgrößen. Gästebetriebe wiederum sollten Bereiche wie Frühstück, Badezimmerausstattung und To-go-Angebote im Blick behalten.
Mehrweg kann sich rechnen
Was zunächst nach zusätzlichem Aufwand klingt, kann wirtschaftlich interessant sein. Mehrwegbehälter, nachfüllbare Spender oder größere Gebinde reduzieren nicht nur Verpackungsmüll, sondern können auch laufende Einkaufskosten senken.
Gerade Betriebe mit regelmäßig wiederkehrenden Gästen oder einer starken regionalen Kundschaft haben gute Voraussetzungen für Kreislaufsysteme. Milchprodukte, Säfte, Aufstriche, Öle oder andere Hofprodukte lassen sich beispielsweise in Mehrweg- oder Pfandsysteme integrieren.
Entscheidend ist dabei, dass Lösungen zum jeweiligen Betrieb passen. Ein Hofladen benötigt andere Systeme als eine Buschenschank oder ein Betrieb mit Gästezimmern.
Reparieren statt neu kaufen
Auch bei der Ausstattung gewinnt die Lebensdauer eines Produkts an Bedeutung. Die neuen europäischen Regeln rund um das Recht auf Reparatur sollen dazu beitragen, dass reparierbare Produkte tatsächlich länger genutzt werden können und Ersatzteile besser verfügbar sind.
Für Betriebe lohnt es sich deshalb, beim Einkauf nicht ausschließlich auf den Anschaffungspreis zu achten. Reparierbarkeit, Ersatzteilversorgung und Service können über die gesamte Nutzungsdauer entscheidend für die tatsächlichen Kosten sein.
Das betrifft vom Kühlgerät im Hofladen über Küchentechnik bis zu Waschmaschinen oder anderer Ausstattung im Gästebereich viele Investitionen.
Regional und kreislauffähig denken
Gerade bäuerliche Betriebe haben beim Thema Kreislaufwirtschaft einen Vorteil: Viele arbeiten bereits mit kurzen Wegen, regionalen Partnern und wiederverwendbaren Ressourcen.
Diese Strukturen lassen sich weiterentwickeln. Verpackungen können reduziert, bestehende Einrichtungen länger genutzt und Kooperationen mit regionalen Handwerksbetrieben für Wartung und Reparatur aufgebaut werden.
Auch gegenüber Gästen und Kunden kann das ein Vorteil sein. Wer nachvollziehbar zeigt, wie Verpackungen vermieden oder Ressourcen geschont werden, macht Nachhaltigkeit konkret erlebbar.
Jetzt den eigenen Betrieb durchgehen
Ein sinnvoller erster Schritt ist eine einfache Bestandsaufnahme: Wo entstehen besonders viele Einwegverpackungen? Welche Produkte könnten nachfüllbar angeboten werden? Wo sind Mehrwegsysteme möglich? Und welche Geräte werden heute ausgetauscht, obwohl eine Reparatur wirtschaftlich sinnvoll wäre?
Damit wird Kreislaufwirtschaft nicht nur zur Antwort auf neue Vorgaben. Sie kann helfen, Materialverbrauch und laufende Kosten zu reduzieren – und gleichzeitig die regionale und nachhaltige Positionierung eines Betriebs zu stärken.
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