Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen hat die Europäische Union das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay beschlossen. Durch das Abkommen können künftig festgelegte Mengen südamerikanischer Lebensmittel zu reduzierten Zöllen in die EU importiert werden. Für die österreichische Landwirtschaft wirft das Abkommen gemischte Reaktionen auf.
Sorgen um heimische Produktion
„Wenn beim Lebensmitteleinkauf der Preis der einzig wichtige Faktor ist, steht es schlecht um unsere Landwirtschaft. Österreich wird es niemals zum billigsten Preis geben, das geht sich mit unseren hohen Produktionsstandards nicht aus“, sagt Hannes Royer, Gründer von Land schafft Leben. Besonders betroffen seien Rindfleisch und Zucker.
Österreichisches Rindfleisch hat innerhalb der EU den niedrigsten CO2-Fußabdruck, unter anderem dank der verwendeten Zweinutzungsrasse Fleckvieh. Zucker wird unter strengen Pflanzenschutzauflagen produziert, was den Preis beeinflusst. Südamerikanische Produkte können oft günstiger angeboten werden, etwa Steak oder Zucker, die häufig anonym in Restaurants oder verarbeiteten Lebensmitteln landen.
Maria Fanninger, Mitgründerin von Land schafft Leben, appelliert an Konsumenten: „Jedes Mal, wenn wir uns für Fleisch oder Zucker aus dem Ausland entscheiden, tun wir das auf Kosten unserer Landwirtschaft, unseres Lebensraumes, der Umwelt, von Mensch und Tier.“ Bei Rind- und Kalbfleisch liegt der Selbstversorgungsgrad in Österreich bei 150 Prozent – Importe wären daher nicht notwendig.
Preisruck und Produktionsstandards
Das Abkommen enthält Beschränkungen, um den Preisdruck abzumildern, etwa zwei zusätzliche Kontingente von insgesamt 99.000 Tonnen Rindfleisch zu vergünstigten Zöllen, was rund 1,5 Prozent der EU-Produktion entspricht. Dennoch beeinflussen bereits kleine Mengen die nationale Preisentwicklung. In Südamerika gelten meist weniger strenge Auflagen bei Tierwohl, Umwelt, Klima oder Arbeitsbedingungen. Die importierten Produkte müssen aber zumindest EU-Standards erfüllen, zum Beispiel Rückstandsgrenzen bei Medikamenten oder die Nicht-Verwendung von Hormonen in der Rindermast. Starke Kritik richtet sich zudem gegen großflächige Rodungen des Regenwaldes, die Biodiversität und Klima negativ beeinflussen.
Für die heimische Wirtschaft eröffnen sich aber auch Chancen. Der vereinfachte Export von Wein, Spezialitäten und geografisch geschützten Produkten wie Tiroler Speck oder Steirischem Kürbiskernöl in Mercosur-Staaten kann Absatz und Preisentwicklung stärken. Viele Wirtschaftsexperten begrüßen das Abkommen, denn in Zeiten globaler Unsicherheiten seien stabile Handelsbeziehungen eine Grundlage für Wohlstand und Sicherheit.




