Eine neue Erhebung im Auftrag der ARGE Gentechnik-frei macht klar, worauf Österreichs Konsumenten Wert legen. Sie wollen wissen, wie ihre Lebensmittel produziert werden. Der Vorstoß der EU-Kommission, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit bei Neuer Gentechnik (NGT) drastisch zu reduzieren, stößt hingegen auf Widerstand. 83,2 Prozent verlangen gleich strenge Kontrollen wie bei bisheriger Gentechnik, 85,1 Prozent bestehen auf einer klaren Kennzeichnung am Etikett.
„Der aktuell in Brüssel verhandelte Gesetzesvorschlag bedroht das in den EU-Verträgen verankerte Recht auf Wahlfreiheit“, warnt Florian Faber, Geschäftsführer der ARGE Gentechnik-frei. Für Österreichs Qualitätsproduktion sei das Merkmal „Ohne Gentechnik hergestellt“ von zentraler Bedeutung, nicht nur im Inland, sondern vor allem im Export.
Europa ringt um eine Lösung
In Brüssel stocken die Gespräche zwischen Kommission, Rat und Parlament. Besonders strittig ist die Frage der Kennzeichnungspflicht. Während Rat und Kommission diese aufheben wollen, bleibt das Parlament bei seiner Forderung nach vollständiger Transparenz. Auch Patente sorgen für Spannungen. Die Biotech-Industrie drängt auf exklusive Rechte für NGT-Produkte, ohne Daten für deren Nachweisbarkeit vorzulegen. Das Parlament hingegen sieht in der Patentierung von Pflanzen eine unüberwindbare Grenze. Die dänische Ratspräsidentschaft möchte bis Jahresende eine Einigung herbeiführen und folgt klar der Linie umfassender Deregulierung. Doch gerade diese Haltung wirft Zweifel auf, ob eine Kompromisslösung erreichbar ist.
Umfrage zeigt klares Meinungsbild
Die von marketagent im September erhobenen Zahlen (n = 1.005) belegen den hohen Stellenwert gentechnikfreier Lebensmittel in Österreich. 76,6 Prozent nennen die Produktion ohne Gentechnik als entscheidenden Kaufgrund. 90,8 Prozent fordern ein Recht auf umfassende Information über Herkunft und Herstellungsweise.
Bei der Einstellung zu NGT zeigt sich eine Dreiteilung: 14,2 Prozent befürworten den Einsatz auch ohne Kennzeichnung, 53,4 Prozent sind offen, aber nur bei klarer Etikettierung. 32,4 Prozent lehnen NGT grundsätzlich ab. Die Sorge vor wirtschaftlicher Abhängigkeit ist groß. 74,1 Prozent befürchten eine weitere Konzentration von Macht bei internationalen Saatgutkonzernen.
Signal aus Österreich
Die Ergebnisse unterstreichen den Stellenwert von Transparenz, Sicherheit und Wahlfreiheit in der Ernährungspolitik. Für eine große Mehrheit ist klar, dass die Bundesregierung in der EU aktiv auftreten muss, um eine Kennzeichnungspflicht für NGT zu sichern. 89,2 Prozent sprechen sich dafür aus.
Die Diskussion über die Zukunft der Lebensmittelproduktion zeigt damit eine grundsätzliche Spannung. So steht auf der einen Seite das Bedürfnis nach Vertrauen, Klarheit und regionaler Qualität. Auf der anderen Seite stehen wirtschaftliche Interessen, die auf Deregulierung und Patente setzen. Österreichs Konsumenten haben ihre Wahl längst getroffen – sie wollen „wissen, was drin ist“.




