Mitten im Acker sitzen, regionale Lebensmittel genießen und dabei erleben, wo die Zutaten ihren Ursprung haben: Vom 11. bis 13. August wurde der Biohof Achleitner in Pupping zum Schauplatz der Europapremiere von „Farm is Table“. Gemeinsam mit Gaumen Hoch wurde ein außergewöhnliches Dinnerformat umgesetzt, bei dem Boden, Landwirtschaft und Kulinarik unmittelbar miteinander verbunden wurden.
Die beiden öffentlich buchbaren Dinner waren ausverkauft. Zusätzlich brachte ein Stakeholder Event Vertreter aus Landwirtschaft, Gastronomie, Lebensmittelwirtschaft und Wissenschaft an einen Tisch. Die zentrale Botschaft lautete: Gesunde Böden sind eine entscheidende Grundlage für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem.
Eine Tafel mitten im Feld
Im Mittelpunkt stand eine lange Tafel, die direkt aus dem Boden heraus angelegt wurde. Umgeben von Feldern und jenen Pflanzen, die später auch auf den Tellern landeten, wurde das Essen zu einem unmittelbaren Erlebnis.
Für die kulinarische Umsetzung sorgten Theresia Palmetzhofer vom Restaurant Zur Palme, Klemens Gold von RAU Nature Based Cuisine und Karl Wrenkh vom Wrenkh Restaurant und Kochsalon. Jeder der drei Tage setzte dabei einen eigenen Schwerpunkt.
Palmetzhofer richtete ihre Küche konsequent nach Saison und regionalem Angebot aus. Grundlage für ihr Menü waren jene biologischen Lebensmittel, die am Biohof Achleitner zum jeweiligen Zeitpunkt verfügbar waren. Klemens Gold stellte beim Stakeholder Abend die Verbindung zwischen Natur, Herkunft und Verarbeitung in den Mittelpunkt. Beim dritten Termin lud Karl Wrenkh zunächst zu einem gemeinsamen Kochkurs, bevor die vorbereiteten Lebensmittel gemeinsam an der langen Tafel genossen wurden.
„Über uns wachsen die Probleme, unter uns die Lösung“
Für Bio Landwirt Andreas Achleitner steht der Boden im Zentrum der Veranstaltung. Ein gesunder, humusreicher Boden kann Wasser speichern, Pflanzen mit Nährstoffen versorgen und Kohlenstoff binden. Gerade angesichts zunehmender Hitze und Trockenheit gewinnt diese Funktion an Bedeutung.
Die Landwirtschaft in Österreich steht 2026 unter erheblichem Druck. Weniger Niederschlag, hohe Temperaturen und steigende Produktionskosten machen deutlich, wie wichtig widerstandsfähige Böden für die Lebensmittelproduktion sind.
Achleitner setzt dabei auf biologische Landwirtschaft, vielfältige Fruchtfolgen, Begrünung und eigenen Kompost. Auf dem rund 80 Hektar großen Biohof im Eferdinger Becken werden etwa 40 Kulturen biologisch angebaut.
Genuss statt Verzicht
„Farm is Table“ stellte den Klimaschutz nicht als Verzicht, sondern als Frage von Vielfalt und Genuss dar. Unterschiedliche Kulturen, saisonale Lebensmittel und eine möglichst vollständige Nutzung der Pflanzen standen deshalb auch bei den Menüs im Mittelpunkt.
Nach dem Prinzip „Leaf to Root“ wurden neben den klassischen Pflanzenteilen auch Blätter, Stängel und weitere Bestandteile verarbeitet. Damit sollte gezeigt werden, wie viel kulinarisches Potenzial in Lebensmitteln steckt, die häufig nicht genutzt werden.
Eine besondere Atmosphäre entstand am 12. August, als über dem Feld eine partielle Sonnenfinsternis zu beobachten war. Das Naturereignis passte zum Konzept des Abends, bei dem die Kreisläufe von Boden, Pflanzen, Landwirtschaft und Ernährung im Mittelpunkt standen.
Landwirtschaft und Gastronomie enger verbinden
Ein wesentlicher Bestandteil von „Farm is Table“ war der Austausch zwischen Landwirtschaft und Gastronomie. Das Stakeholder Event sollte zeigen, dass beide Bereiche stärker voneinander profitieren können, wenn sie ihre Zusammenarbeit langfristig ausbauen.
Landwirtschaftliche Betriebe schaffen die Grundlage für hochwertige Lebensmittel, während die Gastronomie diese Vielfalt auf den Teller bringt. Auch die Entscheidung der Gäste, welche Produkte sie kaufen und welche Restaurants sie besuchen, beeinflusst die Entwicklung des Ernährungssystems.
„Farm is Table“ machte diese Zusammenhänge nicht über theoretische Konzepte sichtbar, sondern über ein gemeinsames Erlebnis mitten im Feld. Vom Boden über die Ernte bis zum fertigen Gericht wurde die gesamte Verbindung zwischen Landwirtschaft und Genuss erlebbar.
Eine Idee aus New York erstmals in Europa
Die Idee hinter „Farm is Table“ stammt ursprünglich aus New York. Der Architekt und Künstler Allan Wexler entwickelte bereits 1983 die Skizze eines bodengleichen Tisches mit Sitzplätzen direkt in der Erde. Jahre später wurde das Konzept auf den Treiber Farms im Bundesstaat New York umgesetzt.
Mit der Europapremiere am Biohof Achleitner wurde die Idee nun erstmals nach Österreich gebracht. Dabei ging es um mehr als ein ungewöhnliches Dinner. Im Zentrum stand die Frage, wie Landwirtschaft, Lebensmittelqualität und Klimaschutz stärker zusammengedacht werden können.
Die drei Tage in Pupping zeigten dabei auf ungewöhnliche Weise, was bereits unter unseren Füßen beginnt: Die Qualität unserer Lebensmittel hängt unmittelbar mit der Qualität unserer Böden zusammen.








