Die Europäische Kommission hat eine Tierhaltungsstrategie verabschiedet, die den europäischen Tierhaltungssektor langfristig stärken und widerstandsfähiger machen soll. Die Strategie ist die erste ihrer Art und zielt darauf ab, Viehzüchter bei der Bewältigung wirtschaftlicher, ökologischer und marktbezogener Herausforderungen zu unterstützen. Gleichzeitig soll sie die Ernährungssicherheit Europas sichern und ländliche Gemeinschaften fördern.
Fünf Prioritäten für eine zukunftsfähige Tierhaltung
Die Strategie setzt auf fünf zentrale Prioritäten:
- Widerstandsfähiger Tierhaltungssektor
Die Kommission stärkt die Vorsorge, um die Risikoexposition zu verringern und Landwirten eine schnellere Erholung nach Krisen zu ermöglichen. Geplant sind verbesserte Risikomanagementinstrumente, ein neues Versicherungs- und Rückversicherungssystem sowie Unterstützung bei der Bewältigung von Tierseuchen. Investitionen in Klimaresilienz und die Verringerung von Importabhängigkeiten bleiben zentrale Ziele. - Wettbewerbsfähiger Tierhaltungssektor
Die Kommission fördert die Rentabilität und Innovationsakzeptanz, um die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit des Sektors zu stärken. Geplant sind finanzielle Unterstützungen für den Übergang zu käfigfreien Systemen sowie die Förderung von Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie. Ein besonderer Fokus liegt auf fairer Bezahlung der Landwirte und der internationalen Gegenseitigkeit bei Produktionsstandards. - Nachhaltiger Tierhaltungssektor
Die Strategie fördert einen maßgeschneiderten Ansatz zur Bewältigung von Nachhaltigkeitsherausforderungen. Geplant sind evidenzbasierte Verbesserungen im Tierschutz (z. B. für Legehennen, Masthähnchen und Schweine) sowie die Entwicklung harmonisierter Methoden zur Berechnung von Nutztieremissionen. Zudem wird die Zusammenarbeit zwischen Landwirten gestärkt, um Nachhaltigkeits- und sozioökonomische Ziele zu erreichen.
- Tierhaltung für alle Regionen
Die Kommission fördert die Wiedereinführung nachhaltiger Tierhaltung in gefährdeten Regionen, insbesondere in Gebieten, die von der Aufgabe bedroht sind. Geplant sind mobile Schlachthöfe und lokal integrierte Wertschöpfungsketten, um den Tiertransport zu reduzieren und die lokale Wirtschaft zu stärken.
- Exzellenz in der Tierhaltung
Die Kommission will die Exzellenz der EU-Produktion durch eine verstärkte Ursprungskennzeichnung und Qualitätsanerkennung sichtbarer machen. Geplant sind ein europäisches Exzellenzsystem, gezielte Absatzförderungsmaßnahmen und die Förderung von ökologischen Produktionssystemen.
Protein-Aktionsplan für mehr Autarkie
Parallel zur Tierhaltungsstrategie präsentierte die Kommission einen Protein-Aktionsplan, um strategische Abhängigkeiten zu verringern und die europäische Ernährungssicherheit zu stärken. Der Plan zielt darauf ab, den Anteil an in der EU angebautem Protein von derzeit 25 % auf 35 % bis 2035 zu erhöhen. Geplant sind Förderungen für europäische Eiweißpflanzen und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von in der EU angebauten Proteinen.
„Europas Proteinsystem soll autarker, nachhaltiger und widerstandsfähiger werden“
Tierhaltung als zentraler Wirtschaftsfaktor
Die Tierhaltung macht etwa 40 % der landwirtschaftlichen Wertschöpfung in der EU aus und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 400 Milliarden Euro. Der Sektor beschäftigt rund 7 Millionen Menschen in 4 Millionen Betrieben und liefert hochwertiges Protein bei gleichzeitig hohen Umwelt-, Sicherheits- und Qualitätsstandards.
Doch die Tierhaltung steht vor Herausforderungen wie geringer Rentabilität, steigenden Kosten, Tierseuchen und höheren Tierschutzstandards. Die neue Strategie soll diese Probleme angehen und den Sektor zukunftsfähig machen.
Zitate der EU-Kommissare
- Raffaele Fitto, Exekutiv-Vizepräsident für Kohäsion und Reformen: „Die Tierhaltung ist ein wichtiger Sektor für Europa. Die Strategie zeigt unsere Bereitschaft, den Sektor in all seinen Dimensionen zu unterstützen – wirtschaftlich, sozial, ökologisch und territorial.“
- Olivér Várhelyi, Kommissar für Gesundheit und Tierwohl: „Die Strategie setzt auf Prävention, Innovation und Vorsorge, um Tieren und Landwirten gleichermaßen zu helfen. Wir stärken Europas Fähigkeit, Tierseuchen vorzubeugen und darauf zu reagieren.“
- Christophe Hansen, Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung: „Unser Ziel ist es, die Ernährungssicherheit zu stärken und lebendige ländliche Gemeinschaften zu erhalten. Wir wollen, dass Landwirte rentabel sind und besser auf Risiken vorbereitet.“




